Lago di Bolsena

Der Vulkansee, in einen Hügelkranz eingebettet, ist noch ein Kleinod im Gesamtbild der verschmutzten
Binnengewässer. Er ist fast so groß wie der Lago Trasimeno, doch vom Tourismus weniger berührt. Der See mit seinem glasklaren Wasser ist fast kreisrund und hat eine Fläche von 114 qkm; seine tiefste Stelle liegt
bei 151 m. Seine Ufer gehen flach ins Wasser, erst nach 20 m fällt der Grund steil ab. Am Ufer entlang wechseln sich Streifen von schmalen, dunklen Sandstränden mit wildwuchernder Wasserflora ab. Hinzu kommt ein - noch
- ungestörtes biologisches Gleichgewicht mit einem ausgesprochenen Fischreichtum: Hier gibt es neben Aalen auch Hechte, Schleien, Forellen, Barsche, Karpfen und Felchen. Neben der Landwirtschaft und
dem Weinbau ist der Fischfang für die Uferbewohner noch immer ein wichtiger Erwerbszweig.
Es gibt keine Asphaltstraße, die in Ufernähe rings um den See führt. Zwischen den Ortschaften gibt es jedoch
unzählige, zum See abzweigende "Holperwege", die von den Gemüsebauern mit ihren landwirtschaftlichen Fahrzeugen genutzt werden.
Es gab schon diverse Pressemeldungen, wonach der
See bereits am "Umkippen" sei. Das wäre tragisch, denn bei dem geringen Wasseraustausch des abflußlosen Kratersees würde die Selbstreinigung viele Jahrzehnte dauern. Da die Umweltschützer das berüchtigte
Schneckentempo der italienischen Bürokratie beschleunigen wollten, versuchten sie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, das Baden demonstrativ verbieten zu lassen. Sie erreichten dadurch kurzfristige
Badeverbote, allerdings ergaben staatliche Wasserproben (noch) keine gesundheitlichen Bedenken.
Ist es unnötig oder vermessen, darauf hinzuweisen, daß man auch als Fremder verantwortungsbewußt mit dieser
Kostbarkeit umgehen sollte?
Die ersten menschlichen Spuren fand man in Form von steinzeitlichen Pfahlbauten, die durch einen Ausbruch der Vulkane zerstört wurden. Später entstanden
etruskische Siedlungen, von denen Bisenzio in der Nähe des heutigen Capodimonte wohl die größte war. Außer einigen Gräberresten ist von ihr jedoch nichts erhalten.
Etliche andere Funde lassen auf eine relativ zivilisierte und auch friedliche Kultur der Etrusker am Bolsena-See schließen. Eine ihrer besonderen Errungenschaften waren Schuhe, die sogar ins alte Griechenland
exportiert wurden.
280 v. Chr. kamen die Römer und zerstörten die Zivilisation der Etrusker. 573 widerfuhr dem etruskisch-römischen Bolsena dasselbe Schicksal, und knapp zwei Jahrhunderte später wurde das Gebiet
lombardisch. Die mittelalterliche Geschichte der Region ist eng mit dem Papsttum verbunden.
Ein See vulkanischen Ursprungs
Vor Hunderttausenden von Jahren waren hier
wahrscheinlich vier Vulkane tätig, mit beinahe 100 über das ganze Gebiet verstreuten kleinen Kratern. Diese spuckten soviel Schlacke und Lava aus, daß ein unterirdischer Hohlraum entstand, der die oben
abgelagerten Massen nicht mehr tragen konnte. Das Ganze implodierte und erlosch nach Jahrtausenden. Langsam füllte sich dieses Loch nun mit Wasser, bis der See mit seinem einzigen Abfluß entstand. Spuren dieser
längst vergangenen Zeit findet man noch in der Nähe von Bolsena in Form der "geschleuderten Steine" - Prismen, die wie Pfeile in den Hügel geschossen sind. Auch der rote Lapillo, der hier abgebaut wird
(Tennisplatzbelag!), weist auf die vulkanische Vergangenheit hin.
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