Bolsena
Die Monaldeschi-Burg aus dem 15. Jh. überragt mit ihren hohen Türmen den Ort. Unter ihr drängt sich der
mittelalterliche Kern der Stadt mit engen Gassen, steilen Treppen und schönen Torbögen.
Zum See hin breitet sich "Neu-Bolsena" aus. Den Lago selbst erreicht man von Bolsenas Hauptplatz aus, der
Piazza Matteotti, über eine gradlinig verlaufende Allee - am Ende ein platanenbestandener Platz mit Zierbrunnen.
An der Uferpromenade mit dem kleinem Hafen reihen sich Cafés, Bars, Hotels und Pensionen.
Das ganzjährig geöffnete Touristenbüro in Viterbo bietet
Informationsmaterial über die ganze Region.
Verbindung: Nächste größere Bahnstation ist Orvieto (Linie Rom-Florenz). Busse: 2x täglich ein Bus nach Orvieto und zurück, Gute Verbindung nach
Montefiascone, Grádoli, Marta, ebenso nach Viterbo.
Seerundfahrt: Sowohl von Bolsena als auch von Capodimonte aus kann man eine Seerundfahrt starten. Sie führt an den Inseln Bisentina und Martana vorbei,
die sich in Privatbesitz befinden. Abfahrt in Bolsena 2x täglich, Sonntag 4x (Minimum 12 Passagiere). Preis: L. 12.000.
Auskünfte: Navigazione Alto Lazio, an der Uferpromenade, Tel. 798033.
Wäscherei:
Tintoria, Via Marconi 11. Saubere Wäsche innerhalb von 1-2 Tagen. Umsonst und kommunikativer wäscht man seine Sachen am öffentlichen Waschbrunnen, wo noch viele Frauen ihren Waschtag
abhalten. Am Ortsausgang Richtung Grádoli links, gleich unterhalb der Straße.
Markt: Jeden Dienstagmorgen bis ca. 13 Uhr auf der Piazza Matteotti.
Fahrräder/Mofas:
Carlo Casciani, Via Gramsci 43; ca. 10 DM pro Tag.
Küche in Bolsena Ristorante Sirenetta,
unter den Gartenrestaurants am See das empfehlenswerteste. Montag Ruhetag.
Trattoria da Picchietto,
Via Porta Fiorentina (Fortsetzung des Corso Cavour). Beliebtes Restaurant mit einer schönen, weinüberwucherten Gartenlaube. Man ißt leckere Spezialitäten: Pizzaiola - ein Fischgericht mit
Tomatensoße - und Goregone, Fisch vom See in einer süßlichen, würzigen Soße. Montag Ruhetag. Trattoria di Angela e Piero,
Via della Rena (außerhalb von Bolsena, am
Ortsausgang Richtung Grádoli rechts hochfahren). Betischung im großen Garten mit Seeblick. Früher hatten Piero und Angela eine billige und einfache Trattoria in der Stadt unten. Die Neueröffnung 1994 in
ruhiger Lage mit Landluft ist vielleicht nicht mehr ganz so billig, hat dafür in puncto Ambiente gewonnen. Dienstag Ruhetag. Ristorante/Pizzeria/Birreria Tanaquilla,
Via Marconi 100. Auf zwei Etagen werden noch bis spät in die Nacht Primi, Antipasti und Pizzen serviert. Jugendliches Publikum, das sich hier auch nur zum Bier oder zum Schachspiel trifft. 19-2 h geöffnet, samstags
proppenvoll. Mittwoch Ruhetag. La Grotta del Pescatore,
Corso Cavour (gleich nach dem Torbogen). Eine unprätentiöse Weinspelunke, Treffpunkt der Veteranen
und regelmäßigen Weintrinker, früher von den Matrosen des Lago, heute von Jugendlichen aus dem Dorf in gemeinsamer Regie geführt. Der Weiße wird vom Faß gezapft, das Glas für L. 700. Man kann auch die
mitgebrachte Flasche abfüllen lassen. Speisekarte am Abend. Überdachter Hinterhof. Kirche Santa Cristina
(Chiesa dei Miracoli): Der Schutzpatronin Bolsenas zu
Ehren wurde dieser ungewöhnliche Kirchenkomplex errichtet. Drei verschiedene Epochen spiegeln sich darin: Romanik, Renaissance und Barock.
Hier wurde im Jahr 304 die erst 12jährige Märtyrerin von
ihren Glaubensgenossen bestattet. Die Tochter des heidnischen Stadtpräfekten Urbanus war zum Christentum übergetreten und sollte deshalb mit einem schweren Stein am Hals im See ertränkt werden. Der
Mord jedoch mißlang, da der Stein auf wundersame Weise auf dem Wasser schwamm. Also stieg Cristina auf den Stein und kehrte unversehrt ans Ufer zurück. Nach langer Folterung starb sie schließlich an einem mitten
durchs Herz geschossenen Pfeil.
Vorn links im Kirchenschiff findet man die farbig bemalte, gold-blau-gewandete Holzstatue der Heiligen. Die Wunderkapelle mit der Grotte - sie schließt sich links
an - ist der älteste Teil des Kirchenbaus; früher war sie in das unterirdische Gewirr der Katakomben integriert, später trennte man diesen Bereich ab. In der Mitte der
"Altar des Wunders", auf dessen Frontseite eine Steinplatte mit den angeblichen Fußabdrücken der Heiligen eingelassen ist. Als Station zwischen Kirche und Wunderkapelle ist - zur Erinnerung an das berühmte
Eucharistie-Wunder von Bolsena (siehe Kasten) - eine moderne Kapelle eingerichtet worden.
Am 24. Juli findet jedes Jahr das groß gefeierte Santa-Cristina-Fest in Bolsena statt, wo unter anderem
die "Mysterien" der Heiligen aufgeführt werden. Das Wunder von Bolsena
Die Geschichte soll sich im Jahr 1264 zugetragen haben. Ein böhmischer Priester, geplagt von heftigen
Glaubenskonflikten, pilgerte nach Rom in der Hoffnung, daß ihm hier eine Festigung seines Glaubens widerfahren würde. Er war bereits wieder auf seinem Weg nach Hause, als er in Bolsena Zwischenstation
machte, um in der Krypta der Santa Cristina eine Messe abzuhalten.
Da geschah das Wunder, das der katholischen Kirche einen neuen Feiertag bescheren sollte: Es tropfte
plötzlich Blut aus der Hostie auf das Korporale (Tuch, auf das Kelch und Hostiengefäß gestellt werden). Papst Urban V., der sich zu dieser Zeit in Orvieto aufhielt, veranlaßte die sofortige Überführung des Beweisstücks.
Es wurde der Entschluß gefaßt, in Orvieto einen Dom zu bauen, der dieses heilige Korporale bis heute in einem kostbaren Reliquiar verschlossen hält. Zweimal im Jahr wird der Schrein geöffnet und das Korporale des
böhmischen Priesters der Öffentlichkeit gezeigt: am Osternachmittag und an Fronleichnam - jenem Feiertag, der eigens wegen dieses Wunders eingeführt wurde.
Der Maler Raffael nahm das Wunder von Bolsena zum
Thema für eines seiner reifsten Werke: Das Fresko Die Messe von Bolsena aus dem Jahr 1512 ist in den Vatikanischen Stanzen zu sehen. Archäologisches Museum
(Museo Territoriale del Lago di Bolsena): in der Monaldeschi-Burg befindet sich das kleine Museum mit Funden aus der Umgebung. Anschauliche Tafeln zur Entstehung des Lago. Im Eintritt inbegriffen ist auch der
Weg hoch zu den Zinnen, von wo sich ein herrliches Panorama eröffnet. Öffnungszeiten: 9.30-13 h und 15.30-20 h, Montag geschlossen. Etruskisch-römisches Ausgrabungsgelände
Etwas oberhalb der Stadt (Straße nach Todi, Schild Volsinii Novi) haben französische Archäologen beeindruckende Überreste einer Siedlung ans Tageslicht gebracht. Entdeckt wurden eine ca. 4 km lange
Einfriedungsmauer, eine Basilika, Thermen und das Justizgebäude, ferner viele Fresken und Mosaike - Zeugnisse des römischen Bolsena. Aber auch Reste der noch älteren Volsinii Novi, das hier nach der Zerstörung
der "Volsinii veteres" (Orvieto) von den überlebenden Etruskern errichtet wurde, hat man gefunden. Lago di Bolsena/weitere Umgebung Monte Rufeno (743 m)
Ein Naturpark im oberen Paglia-Tal, ca. 15 km nördlich des Bolsena-Sees. Das ca. 3000 Hektar große Waldgebiet - Pinien-, Eichen- und Kastanienwälder wechseln sich ab - bietet optimale
Wandermöglichkeiten. Im Unterholz Wiesel, Füchse, braune Gabelweihen ...
Vier Wanderrouten stehen zur Auswahl: Il Felceto: 1,6 km, 2 Std., leicht, orangefarbene Markierung. Sasseto: 2 km, 2 Std., leicht, nur mit Führer begehbar, da in Privatbesitz. Monte Rufeno: 3,5 km, 6 Std., mittelschwer, gelbe Markierung. Acquachiara
: 9,5 km, 8 Std., schwer, rote Markierung, mit Schluchten und einigen Kletterparts, jedoch nicht riskant. |